Implantate
So fest wie echte Zähne

Der ausgewachsene Mensch hat 208 Knochen und im Idealfall 32 Zähne. Die Zähne sind der anfälligste Teil unseres Skeletts - und das, obwohl sie aus dem härtesten Material des Körpers bestehen: einmal verloren, kann sie die Natur nicht mehr ersetzen.
Brücken, Teilprothesen oder Totalgebisse müssen nicht sein. Immer mehr Menschen gehen dazu über, fehlende Zähne durch Zahnimplantate ersetzen zu lassen. Waren es vor 25 Jahren gerade 100 Patienten, die sich hierzulande für diese Technik entschieden, wurden 1998 bereits rund 200.000 Implantate eingesetzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwirklicht sich der alte Menschheitstraum von festen Zähnen in jedem Alter.

Häufig die eleganteste Lösung

Bei vielen Situationen sind Implantate zahnmedizinisch die beste Lösung. Dies gilt insbesondere:

Bei der Lücke: Hier fehlen in der ansonsten geschlossenen Zahnreihe ein oder mehrere Zähne. Der große Vorteil von Implantaten liegt darin, dass gesunde Nachbarzähne nicht beschiffen werden müssen und selbst große Lücken stabil geschlossen werden können.

Bei der verkürzten Zahnreihe: Auf einer oder auf beiden Seiten fehlen - in der ansonsten geschlossenen Zahnreihe - die hinteren Zähne. Auf herkömmliche Weise wird eine derartige Situation mit Teilprothesen versorgt, die sich mit Klammern oder komplizierten Verbindungen an den Restzähnen abstützen. Aus Stabilitätsgründen ist dieser herausnehmbare Ersatz über den Gaumen im Oberkiefer oder hinter den Unterkieferschneidezähnen mit einem Metallbügel verbunden. Diese Konstruktion kann das Geschmacksempfinden und die Sprache stören. Implantate hingegen machen festsitzende Kronen möglich.

Bei Zahnlosigkeit: Wird beim Kauen die Kraft nicht mehr über die Zahnwurzeln in den Kieferknochen übertragen, schwindet der Kieferkamm und die Prothesen haben keinen Halt mehr. In den meisten Fällen können Implantate einen stabilen Halt der Prothesen wiederherstellen. Die Implantate werden mit Teleskopkronen oder mit Magneten mit der Prothese verbunden. Die Folge ist eine neue Sicherheit beim Kauen, Sprechen und Lachen.

Die Methode

Um die künstlichen dritten Zähne dauerhaft im Kiefer zu verankern, wird zunächst in den Kieferknochen das Implantat in Form eines Pfostens oder einer Schraube eingesetzt. Auf diesem im Knochen fest eingeheilten Unterbau aus Titan wird später der neue Zahn aufgesetzt. Der operative Eingriff erfolgt ambulant. Die meisten Implantatoperationen können in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Zunächst wird das Operationsgebiet betäubt. Durch einen kleinen Schnitt im Zahnfleisch wird der Knochen freigelegt und das Implantat eingepflanzt. Nach dem Eingriff wird die Schleimhaut wieder dicht vernäht. Das Einbringen der künstlichen Zahnwurzel geschieht unter sterilen Bedingungen. Der sorgfältige Implanteur verfügt über Einrichtungen, die dem Standard großer Kliniken entsprechen.

Die Risiken

Natürlich ist mit jedem operativen Eingriff ein gewisses Risiko verbunden. Im Vorfeld müssen eventuelle Erkrankungen von Herz und Kreislauf, des Blutgerinnungssystems, Knochens und Immunsystems abgeklärt werden. Durch den Unterkieferknochen verläuft ein großer Nerv, der für das Gefühl der Unterlippe zuständig ist. Durch moderne digitale Röntgenuntersuchungen weiß der erfahrene Implanteur bereits vor der Operation genau, bis in welche Tiefe er das Implantat setzen kann, so dass dadurch das Risiko der Schädigung dieses Nerves vermieden wird. Im Oberkiefer muß der Behandler auf die Ausdehnung der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhle achten.

Das verwendete Material - Titan - ist sehr gut gewebeverträglich, Allergien sind unbekannt. dass trotzdem Implantate gelegentlich nicht fest werden oder nicht "osseointegrieren" - wie der medizinische Fachausdruck heißt - hat seine Ursachen in einer Entzündung während der Einheilphase oder in Fehlbelastungen der Pfeiler nach der Versorgung durch Kronen. Die Mißerfolgsquote der besten Implantat-Systeme liegt weltweit unter 2 Prozent. Jedoch ist es selbst bei einem Scheitern in den meisten Fällen problemlos möglich, mit einem gewissen zeitlichen Abstand erfolgreich ein neues Implantat einzusetzen.


Das richtige System, "schwarze Schafe"

Immernoch leiden tausende von Patienten an ihren unsachgemäß eingesetzten Kunstzähnen, die oft an großflächigen Gittern wie etwa "subperiostalen"- oder"Extensions"-Implantaten im Kieferknochen hängen. Auch heute setzen Implantologen leider noch veraltete Systeme ein.

Selbst unter den modernen Implantatsystemen weisen nicht alle ausreichend dokumentierte wissenschaftliche Untersuchungen auf. Eine Zertifizierung nach EU-Richtlinien ist zwar heute bei (fast) allen Systemen vorhanden, von den weltweit praxisreif entwickelten über 50 Implantatsystemen haben bislang jedoch nur wenige die Zulassung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA bekommen.
Allgemein durchgesetzt haben sich Schrauben- und Zylinderimplantate. Darunter sind in den Kieferknochen eingebrachte Implantate zu verstehen, die entweder wie ein kleiner Zylinder eingesetzt oder wie eine kleine Schraube eingedreht werden. Variationen bestehen in der Form und Größe dieser Implantate. Abhängig von der Höhe und Breite des Kieferkammes und seiner Knochenqualität wird der Zahnarzt ein möglichst großes Implantat verwenden, um damit maximale Stabilität zu erreichen. Die Auswahl trifft der Behandler nach der genauen Vermessung des Kiefers und der Überprüfung der Dichte mit Hilfe von computerunterstützten digitalen Röntgensystemen. Hierbei spielt natürlich auch die Erfahrung und Kunstfertigkeit des Zahnarztes eine große Rolle.

Erfolgsfaktor Zeit

Je nach Kiefer- und Knochensituation müssen Implantate zwei bis sechs Monate unter der Schleimhaut einheilen. Erst nach Ablauf dieser Zeit ist der Titankörper knöchern fest im Kiefer eingewachsen, so dass der endgültige Zahn aufgesetzt werden kann. Kein Patient muß Angst haben, diese Wartezeit mit einer Lücke in seiner Zahnreihe durchstehen muß. Ein angefertigtes Provisorium schließt diese Lücke in der Einheilphase.
Erst wenn der Heilungsprozess abgeschlossen ist, kann der zweite, kleinere Eingriff erfolgen. Unter örtlicher Betäubung wird gezielt über dem Implantat die Schleimhaut geöffnet und ein kleiner Einheilpfosten eingeschraubt, um den herum sich das Zahnfleisch wie um einen natürlichen Zahn anformt. Dann erfolgt ein Abdruck, und der Zahntechniker fertigt in seinem Labor individuell die neuen Zähne, die mit einer Schraube unsichtbar im Implantat befestigt werden. Gut gefertigte Kronen oder Brücken auf Implantaten unterscheiden sich nicht von den natürlichen Zähnen, und sie sind wie diese voll funktionsfähig.

Dauerhaftigkeit

Nach Langzeiterfahrungen beträgt die Erfolgsquote der zugelassenen und wissenschaftlich untersuchten Implatatsysteme - bei zehnjähriger Betrachtung - mehr als 98 Prozent. Wie lange das Implantat fest im Kiefer bleibt, hängt jedoch stark von der Mitarbeit des Patienten ab. Denn Dauerhaftigkeit verlangt konsequente häusliche Mundhygiene und die Bereitschaft, zu pünktlichen Nachsorgeterminen beim Zahnarzt, verbunden mit einer professionellen Reinigung der Zähne und Implantate. Bei unzureichender Pflege und Nachsorge sammeln sich am Übergangsbereich zum Zahnfleisch Beläge, in denen sich Bakterien anheften. Die Entzündung, die diese Bakterien verursachen, pflanzt sich zunächst ohne Schmerzen in den Knochen fort und führt schließlich in Ausnahmefällen bis zum Verlust des Implants.

Text scrollen
Text scrollen
Druckansicht Fortbildung / CondentaHome Die Praxis So kommen Sie zu uns Kontakt Impressum