Laser
Laserlicht auf Abwegen

Laser werden auch in der zahnärtzlichen Praxis immer häufiger genutzt. Doch die Anwendung ist - entgegen den Erwartungen vieler Patienten - keineswegs immer ein Zeichen für eine besonders gute Behandlung. Denn Vorteile sind bei den alltäglichen zahnheilkundlichen Maßnahmen zumeist nicht erkennbar. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam der Zahnarzt und Physiker Dr. Heiko Visser vom Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Göttingen.


Einer der Vorteile der Bestrahlung mit Laserlicht soll in einer Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Karies liegen. dass es dadurch zu einer Versiegelung kommt, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Die Bearbeitung der harten Zahnbestandteile, des Zahnschmelzes und des darunter liegenden Zahnbeins für Füllungen, Kronen oder Brücken mit Laserlicht ist fragwürdig. Bei der Entferung alter Füllungen können sich giftige Metalldämpfe oder Rauchgase bilden.
Auch die Versuche, die Zahnoberfläche mit Hilfe des Lasers aufzurauhen, damit Kunststoffe oder Keramikfüllungen besser haften, sind noch im Versuchsstadium. Bisher sind mit Schmelz- und Dentinadhäsivverfahren bessere Ergebnisse zu erzielen.
Zu bedenken ist, dass der Laserstrahl innerhalb des Zahns eine nicht erwartete, unerwünschte Richtung einschlagen kann. Es wurde nachgewiesen, dass sich der Laserstrahl in Richtung der feinen Dentinkanälchen ausbreitet, die das Zahnbein durchziehen. Sie laufen zum Lebensnerv des Zahns im Inneren, zum Zahnmark. Inwieweit aus diesen Gründen bei einer Bestrahlung mit energiereichem Laserlicht das Zahnmark in Mitleidenschaft gezogen wird, ist bislang noch nicht hinreichend untersucht.

Auch die Behandlung der Zahnwurzel mit Laserlicht ist noch nicht ausreichend erprobt. Einzelne günstige Berichte von Zahnärzten können Langzeitbeobachtungen nicht ersetzen. Bedenklich ist vor allem, dass bei bestimmten Anwendungen an der Spitze der das Laserlicht leitenden Fasern Quartzpartikel freigesetzt werden. Diese bleiben, ebenso wie abgestorbene Gewebsreste, im Wurzelkanal liegen, was sich langfristig ungünstig auswirken könnte.

Auch beim Operieren im Bereich des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut gibt es keine zwingenden Gründe für die Verwendung des Lasers. Zwar ist mit der sofortigen Blutstillung eine bessere Übersicht und eine Verringerung des Infektionsrisikos verbunden. Doch können die hier verwendeten Laserstrahlen an Knochen und Zähnen bleibende Schäden hervorrufen. Man muß die Zähne deshalb mit Metallbändern vor dem unbeabsichtigten Auftreffen der Strahlen schützen. Unklar ist außerdem, ob die Behandlung empfindlicher Zahnhälse mit Laserlicht tatsächlich zu einer Besserung der Beschwerden führt. Es ist zu bedenken, dass auch in diesen Fällen die Wirkung auf das Zahnmark noch wenig erforscht ist.

Äußerst zurückhaltend sind schließlich Versuche zu bewerten, mit sogenannten Softlasern biologische Prozesse günstig zu beeinflussen (Biostimulation). Die Einschätzung wird dadurch erschwert, dass Veränderungen angegangen werden sollen, die schon bisher nicht einfach zu behandeln waren. Dazu zählen etwa hartnäckige Geschwüre der Mundschleimhaut (Aphthen), Kiefergelenkbeschwerden, verschiedene Entzündungsprozesse und Überempfindlichkeiten. Noch ist nicht bewiesen, dass sich hier mit dem Laser bessere Ergebnisse erzielen lassen.

Nicht umstritten ist indes die Verwendung von Laserverfahren in der zahnmedizinischen Technik und in der Forschung. So bietet beispielsweise das Laserschweißen von Zahnersatz große Vorteile. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen kann mit Hilfe von Lasern beispielsweise die Durchblutung des Zahnmarks gut beurteilt werden. So läßt sich damit klären, wie sich Medikamente, ebenso wie die zur örtlichen Betäubung verwendeten Anästhetika, auf das Lebenszentrum des Zahns auswirken.


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