Karies-Prophylaxe in den Kinderschuhen, Karies ist allgemein auf dem Rückmarsch. Die Zähne der meisten Kinder und Jugendlichen werden immer gesünder.

"Meine Zähne sind nun mal so schlecht, da kann ich nichts gegen tun." So oder ähnlich ist es oft zu hören. Doch angeborene, schlechte Zähne gibt es nicht. Karies läßt sich vermeiden.

Die Schweiz setzt seit 30 Jahren auf intensive Schulzahnpflege. Erreicht werden damit alle Kinder - von dem Zeitpunkt an, wo sie in den Kindergarten kommen bis zum Ende des schulpflichtigen Alters. Das System der Schulzahnpflege variiert von Kanton zu Kanton, doch die Grundpfeiler der Karies-Vorbeugung sind die selben: Instruktion in der Zahnpflege mit theoretischem Teil und Zahnputz-Übungen, ältere Kinder lernen auch die Benutzung von Zahnseide; Aufklärung über zahngesunde und zahnschädliche Ernährung; Fluoridierung mit Gels, Tabletten oder Fluorid-Salz.
Von den 60er Jahren bis heute konnten die Schweizer Zahnärzte bei den Schulkindern große Erfolge feststellen: 90 Prozent weniger Karies, in einigen Kantonen sind über 60 Prozent der Kinder kariesfrei.

Auch in Deutschland sieht es bei den Kindern und Jugendlichen überwiegend gut aus. Die Zahnärzte setzen auf Gruppen- und Individualprophylaxe: Untersuchungen und Aufklärung in Kindergärten und Schulen, Vorsorge-Untersuchungen, Fluoridlack und Fissurenversiegelung in den Zahnarzt-Praxen.
Die Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) hat 1995 eine Studie durchgeführt: In fünf alten Bundesländern wurde der Mundgesundheitszustand von Kindern ermittelt. Die Ergebnisse sind ermutigend: Sechs- bis Siebenjährige haben 2,5 bis 3 kariöse oder gefüllte Zähne, Neunjährige im Schnitt sogar nur einen und Zwölfjährige etwa 2,4. Zwar sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für die gesamte Bundesrepublik, doch der allgemeine Trend zu gesünderen Zähnen ist deutlich zu erkennen.

Je besser die Zahngesundheit jedoch bei vielen Kindern ist, desto klarer tritt ein anderes Problem hervor: Es gibt Karies-Risiko-Gruppen. In Deutschland haben etwa 30 Prozent der 8-9jährigen Kinder rund 75-80 Prozent aller kariösen, gefüllten oder fehlenden Zähne, bei den 13-14jährigen sind es etwa 21 Prozent der Jugendlichen, die knapp 50 Prozent der kranken Zähne haben.

Neueste Untersuchungsergebnisse:

Die Karies-Risiko-Gruppen haben es aufgedeckt: Nur die früh begonnene regelmäßige Fluoridzufuhr mit fluoridhaltigen Zahnpasten, ergänzt durch Fluorid-Tabletten, schützt nachweisbar vor Karies. Je eher die Kleinen lernen, was sie selbst durch regelmäßiges Zähne putzen gegen "Karies und Baktus" tun können, desto gesünder bleiben ihre Zähne.
Da die Widerstandsfähigkeit der Zähne gegen Karies nur dadurch erhöht wird, dass Fluoride lange Zeit kontinuierlich auf die Zähne einwirken, kann die durch den Zahnarzt in regelmäßigen Abständen durchgeführte Fluoridierung der Zähne als alleinige Maßnahme keinen dauerhaften Kariesschutz bewirken.

Die systemische Fluoridierung mit Tabletten wurde lange Zeit überbewertet. Gesundheitsbehörden verschiedener Länder (Deutschland, Kanada, Niederlande, Schweiz und USA) haben ihre Fluorid-Tabletten-Empfehlungen inzwischen reduziert.

Unsere Empfehlung:

Eine Fluoridierungs-Empfehlung kann sich nur auf ein spezielles Gebiet beziehen, da die örtliche Trinkwasser-Fluoridkonzentration erheblichen Einfluß auf weitere Fluorid-Darreichungen hat. Für den Großraum Frankfurt am Main, in dem sich unsere Praxis befindet, empfehlen wir bei normalem Kariesrisiko folgende Dosierung:

Pasten und Gel-Präparate:

Ab 6 Monaten: mindestens 2 mal täglich eine moderne Kinderzahnpaste,
ab 7 Jahren: mindestens 2 mal täglich Erwachsenenzahnpaste,
ab 14 Jahren: zusätzlich zur Erwachsenenzahnpaste 1 mal wöchentlich ein Fluorid-Gel.

Tabletten:

Ab Geburt: 0,25 mg pro Tag,
2 Jahre: 0,5 mg pro Tag,
3 Jahre bis 6 Jahre: 1 mg pro Tag,
ab 7 Jahren: keine Tablettenfluoridierung mehr.